Unterschied Leichte und Einfache Sprache: Welche Fassung braucht Ihre Zielgruppe?

Der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache liegt in Zielgruppe und Grad der Anpassung. Einfache Sprache macht die Hauptfassung eines Textes für ein breites Publikum verständlich und folgt ISO 24495-1. Leichte Sprache ist eine eigene, stark vereinfachte Fassung für Menschen mit Lernschwierigkeiten, nach eigenen Regeln geschrieben und von der Zielgruppe geprüft. DEMA Solutions erstellt beide Fassungen, auch mehrsprachig.

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Für wen dieser Leitfaden gedacht ist

Dieser Leitfaden richtet sich an alle, die aus dem Satz „Unsere Informationen müssen barrierefrei sein“ einen konkreten Auftrag machen müssen: Verantwortliche für Unternehmenskommunikation, Compliance und Kundeninformation, Personalabteilungen, die Richtlinien und Abläufe veröffentlichen, sowie Teams in Behörden, Stadtwerken, Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen, die für die breite Öffentlichkeit schreiben. Meist hat jemand bemängelt, ein Dokument sei zu schwer verständlich, und nun ist zu entscheiden: Muss das Original überarbeitet werden, oder braucht es zusätzlich eine vereinfachte Fassung?

Einfache und Leichte Sprache werden oft verwechselt, auch weil die Begriffe so ähnlich klingen und sich je nach Sprache unterscheiden. Im Englischen heißt Einfache Sprache plain language, Leichte Sprache easy-to-read oder Easy Read. Im Italienischen spricht man von linguaggio chiaro und lettura facile, im Spanischen von lenguaje claro und lectura fácil. Manche Anbieter und Behörden sagen statt Einfacher Sprache auch „klare“ oder „verständliche Sprache“. Gemeint ist dasselbe Prinzip.

Was Einfache Sprache ist

Einfache Sprache ist eine Schreibweise, bei der Formulierung, Aufbau und Gestaltung so klar sind, dass die vorgesehenen Leserinnen und Leser leicht finden, was sie brauchen, es verstehen und die Informationen nutzen können. So definiert es im Kern die internationale Norm ISO 24495-1:2023, die in Deutschland als DIN ISO 24495-1 „Einfache Sprache, Teil 1: Grundsätze und Leitlinien“ übernommen wurde. 2024 ist mit DIN 8581-1 eine ergänzende Norm erschienen, die sprachspezifische Festlegungen für das Deutsche trifft.

Die Norm beruht auf vier Grundsätzen. Informationen müssen relevant sein, also das enthalten, was die Lesenden für ihre Aufgabe brauchen, ohne es unter Nebensächlichem zu begraben. Sie müssen auffindbar sein, mit Überschriften, Reihenfolge und Layout, die schnell zur richtigen Stelle führen. Sie müssen verständlich sein, mit Sätzen, Fachbegriffen und Erklärungen, die keine unnötige Mühe kosten. Und sie müssen nutzbar sein: Wer den Text gelesen hat, kann handeln, ohne jemanden um eine Erklärung zu bitten.

Zwei Merkmale unterscheiden Einfache Sprache von Leichter Sprache. Erstens verbessert sie in der Regel die Hauptfassung eines Dokuments, also den Vertrag, das Schreiben oder die Richtlinie, die alle erhalten, statt eine zweite Fassung zu erzeugen. Zweitens bleibt der notwendige Inhalt vollständig. Eine Versicherungsbedingung in Einfacher Sprache enthält weiterhin jeden Ausschluss; der Unterschied ist, dass man ihn findet und versteht. Fachbegriffe dürfen bleiben, wenn sie erklärt oder so eingebettet sind, dass ihre Bedeutung klar wird. Deshalb eignet sich Einfache Sprache für Fachpublikum ebenso wie für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Was Leichte Sprache ist

Leichte Sprache ist eine deutlich stärker angepasste Fassung von Informationen, die Menschen mit Lernschwierigkeiten, sogenannter geistiger Behinderung oder anderen erheblichen Lese- und Verständnisschwierigkeiten ohne fremde Hilfe verstehen können. Sie ist keine Variante von Einfacher Sprache mit etwas kürzeren Sätzen, sondern ein eigenes Konzept mit eigenen Regeln.

Leichte Sprache folgt Konventionen, die in einem gewöhnlichen Geschäftsdokument ungewohnt wirken. Jeder Satz enthält nur eine Aussage. Es werden bekannte Wörter verwendet, und ein unvermeidbares schwieriges Wort wird erklärt. Was die Lesenden nicht brauchen, wird weggelassen; eine Fassung in Leichter Sprache ist also bewusst eine Auswahl. Auch die Gestaltung gehört zur Methode: große, klare Schrift, viel Abstand, linksbündiger Text, jeder Satz in einer neuen Zeile, Zahlen als Ziffern und Bilder neben dem Text, den sie erklären.

Der wichtigste Unterschied ist die Prüfung durch die Zielgruppe. Die europäischen Regeln von Inclusion Europe, Informationen für alle, sehen vor, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten an Erstellung und Prüfung beteiligt sind, und das europäische Logo für leicht lesbare Informationen ist nur für Texte gedacht, die diesen Regeln folgen. Ein Text ist also nicht in Leichter Sprache, weil die Autorin ihn für einfach hält, sondern weil Prüferinnen und Prüfer aus der Zielgruppe bestätigt haben, dass sie ihn verstehen.

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Leichte Sprache vs. Einfache Sprache: die Unterschiede im Überblick

Am einfachsten lassen sich Einfache und Leichte Sprache über ihren Zweck vergleichen. Einfache Sprache ist für Menschen, die gewöhnliche Texte lesen können, sich dabei aber nicht unnötig anstrengen sollen, also für fast alle. Leichte Sprache ist für Menschen, für die selbst gut geschriebene gewöhnliche Texte zu schwer bleiben.

| | Einfache Sprache | Leichte Sprache |

|—|—|—|

| Hauptzielgruppe | Breite Öffentlichkeit, Kundschaft, Beschäftigte, Menschen mit Deutsch als Zweitsprache | Menschen mit Lernschwierigkeiten, Demenz oder Aphasie und andere mit sehr geringer Lesekompetenz |

| Ergebnis | Meist die verbesserte Hauptfassung | Meist eine zusätzliche, eigene Fassung |

| Inhalt | Alle notwendigen Informationen bleiben | Nur ausgewählte, wesentliche Informationen |

| Referenzdokumente | DIN ISO 24495-1, DIN 8581-1 | Regeln von Inclusion Europe, ISO/IEC 23859:2023, DIN SPEC 33429 |

| Prüfung | Empfohlen, etwa mit typischen Lesenden | Vorgesehen: Prüfung durch die Zielgruppe |

| Länge | Ähnlich oder kürzer als das Original | Pro Aussage oft länger, aber weniger Aussagen |

Daraus folgt auch: Leichte Sprache vs. Einfache Sprache ist keine Entweder-oder-Frage. Viele Organisationen brauchen beides, nämlich eine Hauptfassung in Einfacher Sprache und eine Fassung in Leichter Sprache für die Teile, die für Menschen mit den größten Schwierigkeiten am wichtigsten sind: wie man eine Leistung beantragt, was ein Vertrag für sie bedeutet oder was im Notfall zu tun ist.

Normen und Leichte-Sprache-Regeln

Für Einfache Sprache gibt es seit 2023 einen internationalen Bezugspunkt: ISO 24495-1 legt Grundsätze und Leitlinien für jede Sprache fest, DIN 8581-1 konkretisiert sie für das Deutsche, etwa bei Satzbau und Wortwahl. Was die Norm im Einzelnen verlangt und wie sie sich auf Unternehmensdokumente anwenden lässt, beschreibt unser Beitrag zu DIN ISO 24495-1.

Für Leichte Sprache gibt es mehrere Ebenen. Die Regeln von Inclusion Europe sind in viele Sprachen übersetzt und bilden die gemeinsame europäische Grundlage. ISO/IEC 23859:2023 enthält sprachunabhängige Anforderungen und Empfehlungen, wie geschriebene Texte leicht lesbar und verständlich werden, einschließlich Erstellung, Anpassung und Prüfung. Für das Deutsche ist im März 2025 die DIN SPEC 33429:2025-03 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ erschienen. Sie bündelt Empfehlungen für das Übersetzen, Verfassen und Gestalten von Texten und Bildern in Leichter Sprache, einschließlich der Beteiligung von Menschen mit Lernschwierigkeiten, und soll der Qualitätssicherung und Ausschreibungen dienen. Daneben sind in der Praxis weitere Regelwerke verbreitet, die sich in Details unterscheiden, etwa bei der Trennung langer Wörter.

Wer nach den wichtigsten Leichte-Sprache-Regeln sucht, findet in allen Regelwerken denselben Kern: kurze Sätze mit einer Aussage, bekannte Wörter, keine Fremdwörter ohne Erklärung, aktive statt passive Formulierungen, Verben statt Substantivierungen, keine Verneinungen, wo sie vermeidbar sind, kein Genitiv und kein Konjunktiv, zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich oder Mediopunkt getrennt („Bundes·tag“), dazu eine klare, großzügige Gestaltung.

Eine DIN SPEC ist ein freiwilliges technisches Dokument, kein Gesetz. Ihr praktischer Wert: Sie können sie in einer Leistungsbeschreibung oder Ausschreibung nennen, und ein Anbieter kann zeigen, wie seine Arbeit sie erfüllt.

Wer welche Fassung braucht: die Zielgruppen

Einfache Sprache hilft fast allen, besonders aber Kundinnen und Kunden, die Verträge und Schreiben unter Druck lesen, Beschäftigten, die Arbeitsanweisungen in ihrer Zweitsprache lesen, älteren Menschen, Menschen mit Leseschwäche und vielbeschäftigten Fachleuten, die einfach die Antwort suchen. Wer Kundeninformationen, Richtlinien oder Anleitungen für ein breites Publikum veröffentlicht, sollte Einfache Sprache als Standard betrachten.

Leichte Sprache richtet sich an eine kleinere Gruppe mit größerem Bedarf. Im Kern sind das Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie hilft auch Menschen mit Demenz oder Aphasie nach einem Schlaganfall, Menschen mit sehr geringer Lesekompetenz und manchen Menschen, die gerade erst Deutsch lernen, auch wenn diese oft mit einer guten Fassung in Einfacher Sprache gut zurechtkommen. Eine nützliche Prüffrage lautet: Gehören zu Ihrer Zielgruppe Menschen, die selbst einen gut geschriebenen gewöhnlichen Text nur mit Hilfe verstehen würden? Wenn ja, und wenn die Information ihre Rechte, ihre Sicherheit, ihr Geld oder ihren Zugang zu einer Leistung betrifft, sollten Sie Leichte Sprache ernsthaft in Betracht ziehen.

Wann Einfache oder Leichte Sprache vorgeschrieben oder empfohlen ist

Eine einzige EU-Regel, die alle Unternehmen zu Einfacher oder Leichter Sprache verpflichtet, gibt es nicht. Mehrere Rechtsrahmen weisen aber in diese Richtung, und öffentliche Stellen haben die klarsten Pflichten.

Öffentliche Stellen. Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz sollen Träger öffentlicher Gewalt des Bundes mit Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen in einfacher und verständlicher Sprache kommunizieren, Bescheide und Vordrucke auf Verlangen erläutern, bei Bedarf in Leichter Sprache, und vermehrt Informationen in Leichter Sprache bereitstellen. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) verlangt zudem, dass Websites des Bundes auf der Startseite Erläuterungen in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache anbieten. Das ist der Hintergrund der meisten Anfragen nach einer Leichte-Sprache-Website. Viele Länder haben eigene, teils weitergehende Regeln, und wer für öffentliche Auftraggeber arbeitet, muss Fassungen in Leichter Sprache oft als Teil des Auftrags liefern.

Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und European Accessibility Act. Die Richtlinie (EU) 2019/882 verlangt, dass Informationen zu erfassten Produkten und Dienstleistungen verständlich und wahrnehmbar sind. Für Bankdienstleistungen für Verbraucher setzt sie sogar eine konkrete Grenze: Informationen dürfen das Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen nicht übersteigen, faktisch eine Pflicht zu Einfacher Sprache. Welche Unternehmen und Dokumente das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz mit seinen Ausnahmen tatsächlich erfasst, erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Verbraucher- und Datenschutzinformationen. Die DSGVO verlangt, dass Informationen zur Verarbeitung personenbezogener Daten in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form in einer klaren und einfachen Sprache übermittelt werden. Im Verbraucherrecht gilt das Transparenzgebot: Vertragsbedingungen müssen klar und verständlich sein, sonst können sie unwirksam sein.

Sicherheitsinformationen. Nach EU-Produktrecht müssen Anleitungen und Sicherheitsinformationen in einer Sprache vorliegen, die Verbraucher und andere Endnutzer leicht verstehen können. Das schreibt keine Leichte Sprache vor, aber eine Warnung, die niemand befolgen kann, schützt weder die Nutzer noch den Hersteller. Sicherheitshinweise sind deshalb starke Kandidaten für Einfache Sprache und für Leichte Sprache, wenn das Produkt sich an Menschen richtet, die sie brauchen.

Personal und interne Informationen. Arbeitgeber müssen selten Fassungen in Leichter Sprache veröffentlichen, aber mehrsprachige Belegschaften und Pflichten im Arbeitsschutz machen Arbeitsanweisungen in Einfacher Sprache zu einem sinnvollen Standard.

Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Ob ein bestimmtes Dokument einer rechtlichen Pflicht unterliegt, hängt von Branche, Land und Kundschaft ab.

Vorher und nachher: Beispiele zur Veranschaulichung

Die folgenden Sätze sind frei erfunden und sollen nur den Unterschied im Niveau zeigen. Sie stammen nicht aus echten Dokumenten.

Ein Kundenschreiben. Original: „Gemäß Ziffer 7.2 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist der Kontoinhaber verpflichtet, eine Änderung der Wohnanschrift binnen einer Frist von dreißig Tagen mitzuteilen, widrigenfalls die Gesellschaft für an die hinterlegte Anschrift versandte Korrespondenz nicht haftet.“ Einfache Sprache: „Wenn Sie umziehen, teilen Sie uns bitte innerhalb von 30 Tagen Ihre neue Adresse mit. Sonst gelten Briefe an Ihre alte Adresse trotzdem als zugestellt.“ Leichte Sprache: „Sie ziehen um? Dann sagen Sie uns Ihre neue Adresse. Das müssen Sie in 30 Tagen machen. Sonst schicken wir die Briefe an Ihre alte Adresse.“

Ein Sicherheitshinweis. Original: „Vor Beginn sämtlicher Wartungsarbeiten ist das Gerät zwingend vom Stromnetz zu trennen, um die Gefahr eines elektrischen Schlages auszuschließen.“ Einfache Sprache: „Ziehen Sie den Netzstecker, bevor Sie das Gerät reinigen oder reparieren. So vermeiden Sie einen Stromschlag.“ Leichte Sprache: „Sie wollen die Maschine sauber machen? Ziehen Sie zuerst den Stecker aus der Steck·dose. Dann können Sie die Maschine sicher sauber machen. Mit Stecker in der Steck·dose können Sie einen Strom·schlag bekommen.“ Neben dem Text stünde ein Bild, das zeigt, wie der Stecker gezogen wird.

Eine Arbeitsanweisung. Original: „Urlaubsanträge sind spätestens zehn Arbeitstage vor Beginn des beantragten Zeitraums über das vorgesehene Portal einzureichen und bedürfen der Genehmigung durch die Führungskraft.“ Einfache Sprache: „Beantragen Sie Urlaub mindestens 10 Arbeitstage vorher im Personalportal. Ihre Führungskraft muss den Antrag genehmigen.“ Die Fassung in Leichter Sprache würde zusätzlich erklären, was ein Arbeitstag ist, und könnte die Seite im Portal als Bild zeigen.

Auffällig ist, was sich jeweils ändert. Einfache Sprache behält jede Information, auch die rechtliche Folge im ersten Beispiel, und räumt nur Hindernisse aus dem Weg. Leichte Sprache entscheidet, was die Lesenden wissen müssen, und erklärt es in kleinen Schritten. Deshalb entsteht sie meist als eigenes Dokument.

Prüfung mit Lesenden

An der Prüfung trennen sich gute Projekte von kosmetischen. Für Einfache Sprache lautet der Maßstab der Norm, ob Lesende die Information tatsächlich finden, verstehen und nutzen können. In der Praxis geben Sie typischen Lesenden eine Aufgabe, etwa „Finden Sie heraus, was bei vorzeitiger Kündigung passiert“, und beobachten, wo sie zögern. Schon wenige Durchgänge zeigen Überschriften, die nicht zu den Fragen der Lesenden passen, und Bedingungen, die falsch verstanden werden.

Bei Leichter Sprache gehört die Prüfung zur Definition. Prüferinnen und Prüfer aus der Zielgruppe lesen den Entwurf, oft begleitet, und der Text wird überarbeitet, bis sie ihn verstehen. Die DIN SPEC 33429 empfiehlt ausdrücklich, Menschen mit Lernschwierigkeiten zu beteiligen. Planen Sie dafür Zeit ein, und bei mehrsprachigen Projekten Prüfende, die die jeweilige Zielsprache sprechen.

Übersetzung, Einfache Sprache und Leichte Sprache

Verständlichkeit übersteht eine Übersetzung nicht automatisch. Ein klarer englischer Satz wird wörtlich übersetzt im Deutschen schnell schwerfällig, mit Substantivketten und Schachtelsätzen, und jede Sprache hat eigene Vorstellungen davon, was einfach klingt.

Für Einfache Sprache ist die effiziente Reihenfolge: erst den Ausgangstext vereinfachen, dann übersetzen. Ein klarerer Ausgangstext enthält weniger Mehrdeutigkeiten, Übersetzende müssen weniger raten, die Terminologie bleibt stabil, und die Prüfung geht schneller. Die übersetzten Fassungen sollten danach in ihrer eigenen Sprache an den Grundsätzen der Einfachen Sprache gemessen werden, nicht nur an der Richtigkeit. Einheitliche Begriffe sind dabei entscheidend, weshalb sich zentrales Terminologiemanagement über Sprachen und Anbieter hinweg lohnt, bevor die erste Übersetzung beginnt.

Für Leichte Sprache ist die direkte Übersetzung selten der richtige Weg. Jede Sprache hat eigene Regeln: Die Trennung langer Wörter mit Mediopunkt ist eine Eigenheit des Deutschen, während die spanischen und italienischen Leitlinien andere Hürden behandeln, etwa Zeitformen und den Konjunktiv. Besser ist es, von einem Ausgangstext in Einfacher Sprache auszugehen, die Fassung in Leichter Sprache in jeder Sprache nach deren Regeln zu erstellen und sie mit Prüfenden dieser Sprache zu prüfen. Bilder lassen sich meist sprachübergreifend verwenden, Text in Bildern muss aber mit angepasst werden.

Der letzte Schritt ist das Layout, und er ist wichtig. Leichte Sprache lebt von Schrift, Abständen und der Position der Bilder, und ein veröffentlichtes PDF muss zusätzlich für assistive Technologien zugänglich sein. Wie Sie barrierefreie PDF erstellen, von Tags und Lesereihenfolge bis zur Spracheinstellung jeder Fassung, beschreibt ein eigener Leitfaden. Für mehrsprachige Webinhalte gelten zudem die Überlegungen aus unserem Beitrag, ob Sie eine Website übersetzen lassen oder mit einem Plugin arbeiten.

Kosten und Ablauf: Wovon der Aufwand abhängt

Einfache und Leichte Sprache sind Bearbeitungsleistungen, keine Übersetzung. Die Kosten hängen deshalb weniger von der Wortzahl ab als davon, wie viel sich ändern muss. Ein gut gegliedertes Dokument braucht Redaktion, ein dichter juristischer oder technischer Text zunächst eine neue Struktur. Eine Richtlinie in Einfacher Sprache ist eine andere Aufgabe als eine bebilderte Fassung in Leichter Sprache. Die Prüfung bringt Sitzungen mit Lesenden und eine Überarbeitungsrunde, Bilder bringen Gestaltungsaufwand, Layout und barrierefreie PDF bringen DTP, und jede weitere Sprache wiederholt Anpassung und Prüfung, nicht nur die Übersetzung.

Der Ablauf ist gut planbar: Zielgruppe und Aufgaben festlegen; Ausgangstext analysieren und den Umfang vereinbaren, bei Leichter Sprache auch, welche Inhalte bleiben; umschreiben oder übertragen; fachlich prüfen lassen, dass nichts Wichtiges verloren gegangen oder verfälscht ist; mit Lesenden testen oder prüfen; schließlich setzen, Barrierefreiheit prüfen und die weiteren Sprachen erstellen.

Zwei Fehler treiben die Kosten am stärksten. Der eine ist, Leichte Sprache zu beauftragen, wenn das eigentliche Problem ein schlecht gegliederter Ausgangstext ist, den eine Überarbeitung in Einfacher Sprache für die meisten Lesenden gelöst hätte. Der andere ist, einen komplizierten Text in fünf Sprachen zu übersetzen und dann fünfmal zu vereinfachen, statt einmal.

So entscheiden Sie: ein kurzer Prüfpfad

Wenn ein Dokument mit der Bitte „Bitte barrierefrei machen“ auf Ihrem Tisch landet, klären wenige Fragen die Wahl.

  1. Wer muss das Dokument ohne Hilfe nutzen können, und gehören dazu Menschen mit Lernschwierigkeiten oder sehr geringer Lesekompetenz?
  2. Verlangt ein Gesetz, ein öffentlicher Auftrag oder ein Kunde ein bestimmtes Format, etwa Leichte Sprache oder ein GER-Niveau?
  3. Muss das Dokument aus rechtlichen oder sicherheitlichen Gründen vollständig bleiben, oder kann eine Auswahl manchen Lesenden besser dienen?
  4. Wird das Dokument übersetzt, und in wie viele Sprachen?
  5. Können Sie Menschen aus der Zielgruppe an Test oder Prüfung beteiligen?

Ist das Publikum breit und muss das Dokument vollständig bleiben, ist Einfache Sprache die Antwort. Brauchen manche Lesende selbst bei einem klaren Text Hilfe und betrifft sie die Information unmittelbar, ergänzen Sie eine Fassung der wesentlichen Inhalte in Leichter Sprache. Wird das Dokument übersetzt, vereinfachen Sie zuerst.

Was Sie einen Anbieter fragen sollten

Einige Fragen zeigen schnell, ob ein Anbieter den Unterschied wirklich beherrscht. Fragen Sie, nach welchen Normen oder Regeln er in jeder Sprache arbeitet und wie er das belegt. Fragen Sie, wer Texte in Leichter Sprache prüft und wie Prüfende in jeder Zielsprache gewonnen werden. Fragen Sie, wie sichergestellt wird, dass ein juristischer oder technischer Text nach der Vereinfachung noch stimmt, und wer das freigibt. Fragen Sie, ob Fassungen in Leichter Sprache je Sprache neu erstellt oder übersetzt werden und wie Bilder und Layout behandelt werden. Und fragen Sie, wie die Arbeit geprüft wird: Die allgemeinen Kriterien zur Qualitätssicherung bei Übersetzungen gelten auch hier.

Wie DEMA Solutions Sie bei Einfacher und Leichter Sprache unterstützt

DEMA Solutions bietet beide Leistungen als Teil seiner barrierefreien und inklusiven Sprachdienstleistungen an. Unser Service für Einfache Sprache nach ISO 24495-1 folgt den vier Grundsätzen der Norm: Wir ermitteln, was die Lesenden tun müssen, ordnen die Inhalte nach ihren Fragen, formulieren neu, prüfen, ob Kernaussagen und nächster Schritt auffindbar sind, und erstellen bei mehrsprachigen Projekten das Ergebnis in jeder Zielsprache neu, statt die Oberfläche wörtlich zu übersetzen. Brauchen die Lesenden eine stärkere Anpassung, erstellen wir eine eigene Fassung in Leichter Sprache, von Broschüren, Briefen, Formularen und Anleitungen bis zu Webseiten sowie Audio- und Videoskripten: Wir wählen die wesentlichen Informationen aus, formulieren sie neu, gestalten die Darstellung und prüfen sie, wenn das Projekt es erlaubt, mit Vertreterinnen und Vertretern der Zielgruppe oder entsprechenden Organisationen.

Unsere Erfahrung mit Projekten in Einfacher und Leichter Sprache geht auf das spanische Unternehmen zurück, das 2022 Teil von DEMA wurde; unser Team hat diese Arbeit 2024 auf der GALA-Konferenz in Valencia vorgestellt. Da wir Dokumentation auch übersetzen und setzen, lassen sich Vereinfachung, Übersetzung und DTP als ein Ablauf planen: Unser hauseigenes DTP-Team erstellt die finalen Dateien, und barrierefreie PDF nach PDF/UA gehören ebenfalls zu unserem Angebot. Übersetzungen folgen einem nach ISO 17100 zertifizierten Prozess, bei dem eine zweite qualifizierte Fachperson jede Übersetzung revidiert, umgesetzt von unseren Teams in Italien, Serbien und Spanien. Wo zusätzlich geschlechtergerechte oder inklusive Formulierungen gefragt sind, etwa in Personalunterlagen, lassen sich die Projekte mit unseren Lösungen für inklusive Sprache verbinden.

Häufige Fragen

Einfache Sprache macht die Hauptfassung eines Dokuments für ein breites Publikum verständlich und behält alle notwendigen Informationen. Leichte Sprache ist eine eigene, stark vereinfachte Fassung der wesentlichen Informationen für Menschen mit Lernschwierigkeiten und wird von Prüfenden aus der Zielgruppe geprüft.

Nein. Einfache Sprache liegt näher an der Standardsprache und richtet sich an alle. Leichte Sprache hat deutlich strengere Regeln und ist vor allem für Menschen mit Lernschwierigkeiten gedacht.

Gemeinsamer Kern aller Regelwerke: kurze Sätze mit einer Aussage, bekannte Wörter, Erklärungen für schwierige Begriffe, keine Genitive und Konjunktive, lange Wörter mit Bindestrich oder Mediopunkt getrennt, klare Gestaltung mit Bildern und Prüfung durch die Zielgruppe. Für das Deutsche bündelt die DIN SPEC 33429 diese Empfehlungen.

ISO 24495-1:2023, in Deutschland als DIN ISO 24495-1 übernommen, legt Grundsätze und Leitlinien fest. DIN 8581-1 ergänzt sprachspezifische Festlegungen für das Deutsche.

Websites öffentlicher Stellen des Bundes müssen nach der BITV 2.0 Erläuterungen in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache bereitstellen; viele Länder haben ähnliche Regeln. Für private Unternehmen gibt es keine allgemeine Pflicht, wohl aber Anforderungen an verständliche Informationen, etwa aus dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz.

Die Prüfung durch Menschen aus der Zielgruppe ist ein zentraler Teil der Regeln und Voraussetzung für das europäische Logo für leicht lesbare Informationen. Für Einfache Sprache ist keine formale Prüfung vorgeschrieben, Tests mit typischen Lesenden sind aber dringend zu empfehlen.

Besser ist es, ihn in jeder Sprache nach deren eigenen Regeln neu zu erstellen und mit Prüfenden dieser Sprache zu prüfen. Ein Ausgangstext in Einfacher Sprache erleichtert das erheblich.

Informationen, die man findet, versteht und nutzen kann

Sie sind nicht sicher, ob ein Dokument eine Überarbeitung in Einfacher Sprache, eine Fassung in Leichter Sprache oder beides braucht? Schicken Sie uns das Dokument und sagen Sie uns, wer es lesen muss. Wir sehen es uns an, empfehlen den passenden Grad der Anpassung und planen die Arbeit in allen Sprachen, die Sie brauchen.

Wie können wir helfen?

Sagen Sie uns, was Sie brauchen, und wir melden uns mit passenden Lösungen bei Ihnen.

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